Kulturpunkt

An Kulturpunkten stehen Häuser, durch die ein Abschnitt der Geschichte der Stadt Flensburg erlebbar ist. Aussichtspunkte über das Flensburger Stadtgebiet gehören ebenfalls zu den Kulturpunkten. Infotafeln an den Kulturpunkten beschreiben die Besonderheiten des Ortes.

Margarethenhof, Johannisstraße 78

Seit wann genau der Margarethenhof existiert, ist nicht bekannt. In einer Stadtansicht die ungefähr zwischen 1572 und 1618 entstand, ist aber schon ein bei Jürgensby abgelegener Hof am Ufer der Flensburger Förde zu erkennen, bei dem man vermutet, es könnte der Vorläufer des heutigen Hofes sein. Bezeugt ist der Hof seit dem Jahr 1609, damals war der Hof im Besitz der Familie Lange. In der Folgezeit wechselte der Hof häufig seinen Besitzer.

Stadtansicht um 1600

Im 18. Jahrhundert wandelte sich der Hof zum Unternehmensstandort, als Peter Holst den Hof im Jahr 1759 erwarb und dort begann, eine Seifensiederei zu betreiben. Ab dem Jahr 1762 beheimatete der Hof eine Zuckersiederei, weshalb der Hof Zuckerhof genannt wurde. Aus Dänisch-Westindien wurde Rohzucker importiert und zu Zucker, Kandis und Sirup weiterverarbeitet. Im Jahr 1844 erwarb der Kaufmann Nikolaus Jepsen den Hof und benannte ihn nach seiner Schwiegermutter Margarethe Rottmann (* 1780; † 1846), da die Kaution für den Kauf des Hofes von ihrem Ehemann, dem Kaufmann, Reeder und russischen Vizekonsul Friedrich Wilhelm Funke, gestellt worden war. Beim nunmehr Margarethenhof genannten Hof wurde unter Nikolaus Jepsen eine Eisengießerei eingerichtet.

Brief v. 07.11.1900
Briefkopf eines Schreibens der Firma Jepsen von 1911

Verlandetes Land vor dem Hof diente hier ebenfalls als Baugrund der Gießerei. Im Jahre 1882 wurde der Hof vom preußischen Architekten Richard Plüddemann, der auch Flensburgs Gericht gestaltete, zu einer Fabrikantenvilla umgebaut. 1896 fertigte die erwähnte Eisengießerei unter anderem die Leuchttürme Rinkenis, Laagmai und Schottsbüll, die auf der Nordseite der Flensburger Förde aufgestellt wurden.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der nördliche Speicher, der aus dem Jahr 1761 stammte, während eines Bombenangriffes auf Flensburg getroffen und zerstört.

Zerstörter barocker Speicher, nach dem Bombenangriff vom 02.05.1945
Fläche der abgebrochenen Eisengießerei, nach 1972, Foto H. Klang

Zur Jahrtausendwende begann eine umfassende Renovierung des Margarethenhofs, nachdem dieser mit der Auflage zur Sanierung an eine Bietergemeinschaft verkauft worden war. 

Zwischen 1995 und 2003 entstand der neugestaltete Vorplatz vor dem Margarethenhof mit seiner Bebauung.